CHRIS BARBER & THE BIG CHRIS BARBER BAND

UK
Blues/ Jazz


„In den 50er-Jahren hatten sehr viele Leute noch niemals Blues gehört. Aber es gab einen Engländer, der wusste, was uns da entging, und er beschloss, das zu ändern. Und indem er das tat, veränderte er mein Leben – und Ihres wahrscheinlich auch, weil er die Entwicklung der populären Musik veränderte. Er ist einer meiner Helden.“
Soweit Hugh Laurie, Großschauspieler (House-Arzt) und Vollblutmusiker, Blueskenner und coole Sau. Und Chris Barber-Fan.

Da ist er allerdings nicht der einzige. Neben Generationen von Oldtime-Jazz-Freunden, denen Chris Barber oft die erste und manchmal – Beispiel Ice Cream – nachhaltigste Begegnung mit der New Orleans- und Créole-Tradition vermittelt hat, sind es immer wieder Musiker, die die Bedeutung des Musikers und Musikermöglichers Chris Barber hervorheben. Und da melden sich Größen wie Paul McCartney, Mick Jagger oder David Bowie zu Wort, deren musikalische Schnittmenge mit Chris Barber auf den ersten Blick eher gering erscheint. Auf den zweiten Blick wird allerdings klar, wie Chris wirkte und was er – siehe Hugh Laurie – bewirkte.

Denn während Barber und seine Band mit gepflegt swingenden Standards wie Petite Fleur (fürs Herz) und Wild Cat Blues (für Bauch und Beine) die Stimmung der Plattenhändler, der Konzertbesucher und der Tanzflächenbevölkerung sowohl in den Tanzschulen als auch in den Partykellern anhob, nahm der Leader diesem Publikum ganz nebenbei die Angst vorm schwarzen Mann. Live und in Farbe präsentierte er waschechte und musikalisch recht naturbelassene Chicago- und Country-Blues-Vertreter wie Sister Rosetta Thorpe (1957), Muddy Waters, Otis Spann und Sonny Terry & Brownie McGhee (alle 1958) und Champion Jack Dupree (1959) – all dies (und noch viel mehr) ist auf drei CDs mit dem Titel Chris Barber presents The Blues Legacy Series: Lost & Found, Vol.1-3 (UK 2008) dokumentiert (danke, Volker Albold!).
Das weiße Mittelklasse-Publikum reagierte seinerzeit jedenfalls begeistert. Erst recht die jugendlichen Zaungäste, die, kaum dass Muddy & Co. wieder über dem Großen Teich waren, ihre Gitarren hervorholten, die neue Chicago-Erfahrung mit ihren Rock’n’Roll-Vorlieben kurzschlossen und unter dem Mentorship des Barber-Weggefährten Alexis Korner den britischen Bluesboom auslösten – weshalb Chris Barbers Posaune in diversen Allstar-Bands von Eric Clapton bis Robert Plant bis heute einen guten Klang hat.
Und was ist mit den Beatles? Das war doch gar keine Bluesband, oder?! Stimmt, aber die Beatles kamen vom Skiffle her (wie etwa auch Rod Stewart, Van Morrison, die Who oder die Kinks), und der Skiffle kam von Chris Barber her. Und zwar, weil dessen Banjospieler und Gitarrist Lonnie Donegan diese genial einfache Mischung aus swingendem Country und bluesigem Folk mit seinem Song Rock Island Line in Britannien salon- und hitparadenfähig gemacht hatte, und Chris selbst bei der Aufnahmession von 1954 den Kontrabass spielte.

Bleibt festzuhalten, dass die Veränderungen, die Chris Barber angestoßen hat, nicht ohne Auswirkungen auf ihren Verursacher geblieben sind: so ist im Sound der Chris Barber Band – bei aller Liebe zur New Orleans-Tradition – der Rhythm’n’Blues-Akzent unüberhörbar. Und wenn Van Morrison heute oder morgen die Skiffle-Gitarre auspackt und ruft, lässt Chris die geliebte Posaune im Flight-Case und zupft wie einst im Mai den Bass…
Chris Barbers Output ist längst unüberschaubar geworden, man ist also auf Schätzungen angewiesen: In sechs Jahrzehnten hat er circa 250 Alben veröffentlicht, Best-of-Anthrologien nicht mitgerechnet. Im selben Zeitraum hat er etwa 250 Konzerte pro Jahr gegeben, das sind bis heute rund 15.000 Auftritte.
Der Berliner Autor Siegfried Schmidt-Joos, Lahnstein-Blues-Preisträger 2008, hat schon sehr früh Barbers Qualitäten erkannt und beschrieben. Bereits 1960 nennt Schmidt-Joos – in seinem Buch Jazz, Gesicht einer Musik – den bei seinem Karrierestart (1948/49) höchst schüchternen Versicherungsangestellten Donald Christopher Barber in einem Atemzug mit drei amerikanischen Jazz-Größen, die mit eigenem Sound reich und berühmt wurden: Cool-Man George Shearing, Bigband-Leader Glenn Miller und Klarinettist Benny Goodman.
Vierter im Bunde nun also Chris Barber: „Durch seinen Erfolg wurde das Klangbild des alten Jazz zum kommerziellen Modeklang Nummer eins. Seine Erfolgsstücke Petite Fleur und Ice Cream, die an der Spitze der Hitparaden rangierten, erschlossen einer neuen Generation den Zugang zum Jazz…Wirklicher Erfolg – musikalischer Erfolg und Publikumserfolg – ist im Jazz immer eine Frage der Individualität gewesen. Die neue Chris-Barber-Band entwickelte vom ersten Tage ihres Bestehens an die Chris-Barber-Individualität…“.

Wer diese Sätze heute, ein halbes Jahrhundert später liest, ist nicht nur überrascht von der Hellsichtigkeit und Nachhaltigkeit eines solchen Urteils. Man freut sich zusammen mit Siegfried Schmidt-Joos auch darüber, wie hier das von der (in vielen Sendern tonangebenden) Jazz-Polizei verfügte Spaßverbot im Jazz missachtet wird.
Fazit SSJ, 1960 wie auch 2013: „Chris Barber – und das macht seine Musik liebenswert – hat trotz des großen, geschäftlichen Erfolgs immer nur das gespielt, was er mit seinem guten Jazzgeschmack und seinem Bluesgefühl vertreten konnte.“

SHOWS
Datum Veranstaltungsort Link Galerie Link zu externen Informationen
16.10.1981 Lahnstein, Stadthalle
31.10.1992 Lahnstein, Stadthalle
29.10.1994 Lahnstein, Stadthalle
21.10.1995 Lahnstein, Stadthalle
26.10.1996 Lahnstein, Stadthalle
04.10.1997 Lahnstein, Stadthalle
30.09.2000 Lahnstein, Stadthalle
28.09.2002 Lahnstein, Stadthalle
27.09.2003 Lahnstein, Stadthalle
24.09.2005 Lahnstein, Stadthalle
26.09.2009 Lahnstein, Stadthalle
21.09.2012 Lahnstein, JUKZ Lahnstein
28.09.2013 Lahnstein, Stadthalle Lahnstein
27.09.2014 Lahnstein, Stadthalle Lahnstein

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