verfasst am 28.07.2020

Bluesfestival unter Corona-Bedingungen: BLUES BLEIBT!

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40. Lahnsteiner Bluesfestival – abgespeckt & zugenommen

Zwei Top Acts, drei starke Frauen und online ein paar Tickets

WOW. Als der amerikanische Sänger/Gitarrist Larry Garner 1996 backstage die Hamburger Sängerin Inga Rumpf auf der Bühne der Lahnsteiner Stadthalle erlebt, jubelt er „WOW, unbelievable! This girl comes from Europe? Great!“
Das WOW könnte sich fortsetzen. Denn im Herbst kommt Inga wieder, sie gehört ebenso wie ihre Pfälzer Kollegin Giorgina Kazungu-Haß zum Projekt Kai Strauss Band & The Lahnstein Birthday All Stars. Auch die Mike Andersen Big Blues & Soul Revue aus Dänemark bringt eine Gastsängerin mit: Sahra Da Silva.
Es könnte also mit dem Lahnstein-Blues so weitergehen wie im vergangenen Jahr. Der Bob-Dylan-Blogger Thomas Waldherr brachte es damals auf den Punkt: „Starke Stimmen, Starke Frauen, Starkes Festival“.

BLUES BLEIBT - die Veranstalter des Internationalen Lahnsteiner Bluesfestivals haben ihr hartnäckig-optimistisches Festival-Motto im Frühjahr 2020 beschlossen, trotz Corona. In der Hoffnung, dass die Sicherheitsbedingungen es zulassen, soll auch die 40. Ausgabe des 1981 vom SWF/SWR gegründeten Bluesfestivals stattfinden - am gewohnten Ort, zu einer ungewohnten Zeit, nämlich nachmittags: Samstag, 26. September, 16:00 Uhr, Stadthalle Lahnstein.
Das Geburtstagsfest findet im kleineren Rahmen statt, mit zwei Bands und einigen Saal-Besuchern.
Ungewohnt auch der diesjährige Kartenvorverkauf: Interessierte können sich bis zum 31. August 2020 online um maximal zwei Tickets bewerben: tickets@lahnsteiner-bluesfestival.de. In der ersten Septemberwoche entscheidet dann das Los über die Vergabe der Karten, Preis: 20 Euro.
Damit dennoch möglichst Viele das Blues-Geburtstagsfest miterleben können, wird die Medienpräsenz diesmal noch verstärkt: Radio, Fernsehen und dazu Online-Streams.

Dienst nach Hygiene-Vorschrift bedeutet mehr organisatorische Phantasie, sprich: mehr Arbeit für alle Beteiligten, nicht zuletzt auch für die neunköpfige Blues-Projektgruppe, die unter dem Dach des Vereins Lahnsteiner Musikszene seit 2006 die Veranstaltung plant und organisiert.


BLUES BLEIBT, aber nur unter der Bedingung: Zusammen Abstand halten. „Auch wenn wir dieses Jahr ein abgespecktes Festival präsentieren, so hat der Aufwand doch stark zugenommen. Denn selbstverständlich werden wir die Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes umsetzen“, sagt Markus Graf, Projektleiter des Festivals und hauptberuflich Geschäftsführender Vorsitzender der LAG ROCK & POP RLP. Mit Online-Konzerten für die Spendenaktion „Rettet die Popkultur RLP“ konnten inzwischen mehr als 30.000 Euro eingespielt und unter verschiedenen Künstler*innen aufgeteilt werden.

Nicht nur Musiker, Techniker und Veranstalter spüren die Folgen der Pandemie, auch bei z.B. entsprechenden Zeitschriften geht es oft um die Existenz - mit schwersten Anzeigeneinbrüchen. „In Lahnstein allerdings“, so Sonja Graf, die für Finanzen zuständige zweite Vorsitzende der Lahnsteiner Musikszene, „haben wir das große Glück, dass uns fast alle Sponsoren treu geblieben sind“. Der Kabarettist, Schriftsteller und Bluespreisträger 2011 Thomas C. Breuer, Festivalmoderator von 1995 bis 2010, hat es ("zwischen Remagen und Saumagen") schon immer gewusst: "Steht dir das Wasser bis zum Hals - komm zu uns nach Rheinland-Pfalz !"


BLUES BLEIBT, einmal mehr zeigt sich als Hauptpartner des Festivals der Kultursommer Rheinland-Pfalz, der in diesen Jahr unter dem Thema NORDLICHTER steht. Der Lahnsteiner Beitrag heißt: Mike Andersen Big Blues & Soul Revue.

Mike Andersen aus dem dänischen Rødekro ist das, was man einen Charmeur oder Sympathieträger nennt – ein echtes Kommunikationswunder. Innerhalb weniger Sekunden erreicht der Sänger, Gitarrist, Komponist, Songwriter und Bandleader sein Publikum und groovt sich direkt ins Herz, in Kopf, Bauch und Beine.

Gelernt hat Mike Andersen durch die Aufnahmen von alten Meistern der afroamerikanischen Musik - von Muddy Waters, John Lee Hooker, Lightning Hopkins, Ray Charles und den drei Kings. Bei Konzerten des großen B.B. King durfte er dreimal als Support auftreten.
Andersens Nähe zu B.B. King und zu Ray Charles zeigt sich auch in dem besonderen Bandprojekt, das in Lahnstein zu hören sein wird. Für die Big Blues & Soul Revue wird seine fünfköpfige Stammband verstärkt um den Perkussionisten Mads Michelsen, den Tenorsaxophonisten Niels Mathiasen und die Sängerin Sahra Da Silva.

Von Anfang an werden neben internationalen und überregionalen Top Acts immer auch Künstler*innen aus der Region eingeladen.
Die inzwischen als Kulturpolitikerin des rheinland-pfälzischen Landtags bekannte Giorgina Kazungu-Haß fing als Sängerin in Koblenz an. Unterstützt von Klaus Kilian, stand sie 1994 erstmals mit Blues-Stücken auf einer Bühne - in Lahnstein. Die Newcomerin war ein Tipp des RZ-Redakteurs Michael Stoll (der als u.a. Talent-Scout, Trouble Shooter und Versatile Writer dem Lahnstein-Blues bis heute verbunden ist). Nach ihrem Debüt wurde die damals 16-jährige Giorgina von der FRANKFURTER RUNDSCHAU als „Bluesentdeckung des Jahres“ gefeiert.
Inga Rumpf, die Hamburger Sängerin, Gitarristin, Pianistin und Komponistin, galt lange als „einzige deutsche Rock-, Soul-, und Gospelsängerin von Weltklasseniveau“ (ROLLING STONE). Sie hatte 1981 fürs allererste SWF-Bluesfestival schon zugesagt. Dann kam aber die Tournee mit einem gewissen Udo Lindenberg dazwischen. Weil Udo sacht, was Sache ist, sacht er über Inga: „Immer offen, immer beweglich, immer neugierig - also phantastisch“.


Wie Inga Rumpf 2002, so ist Tosho Todorovic aus Osnabrück 2010 ausgezeichnet worden mit dem BLUES-LOUIS, dem nach Louis Armstrong benannten Lahnsteiner Bluespreis. Tosho erhielt den LOUIS für sein nachhaltiges Engagement in der einheimischen und der (ost-)europäische Bluesszene - als Gitarrist, Sänger, Texter, Lehrer, Kulturpolitiker. In Zahlen: seit 1976 mehr als 3.500 Konzerte in 18 Ländern, 31 Alben, 3 DVDs, 1 Buch. Und ein lockerer Spruch zum 40. Geburtstag: „Lahnstein ist und bleibt für mich ganz persönlich das wichtigste Bluesfestival in Deutschland. Und das nicht nur wegen der Kontinuität.“
Charmanter hätte es die FAZ auch nicht sagen können, zur Halbzeit im Jahr 2000 sprach sie vom „wichtigsten Bluesfestival in Deutschland“.


Berührungsängste? Nö. Ist das überhaupt noch Blues? Mawaaßesnit. Jedenfalls gehörte es von Anfang an zum Festivalkonzept, über den Tellerrand des Erwartbaren hinaus zu schauen und zu hören. Ob Jazzer wie Klaus Doldinger, Alan Skidmore, Brian Auger, Lulo Reinhardt und Chris Barber, ob Singer-Songwriter wie AJ Croce oder Julian Dawson und ihre einheimischen Kollegen Yannick Monot, Stefan Gwildis, Max Mutzke, Stoppok und Wolfgang Niedecken – oder schließlich das heiß diskutierte Hamburger Bandkollektiv Brixtonboogie mit seinem ungewohnten Gebräu aus Blues, Jazz, Funk, Hip-Hop, Dubstep – sie alle zusammen machen das aus, was man den „Lahnstein-Blues“ nennen könnte.
Und der Nachwuchs? Bitte ja, bitte gleich! Manch einer hat das Publikum wortwörtlich vom Sitz gerissen, allen voran Oli Brown – der war wie Laurence Jones, Jesper Munk und Luca Sestak ein Jungspund von Anfang 20.

Selbstverständlich ist und bleibt Lahnstein immer eine Bühne für die Urheber dieser „realistischen Unterhaltungsmusik Blues“ (Manfred Miller). „Lasst uns bitteschön die Tatsache nicht vergessen, dass Bluesmusik afroamerikanische Musik ist“ – sagte Fritz Rau (1930-2013). Der Mitbegründer der American Folk Blues Festivals (1962-1982) gehörte ab 2006 zur Lahnsteiner Bluesprojektgruppe und erhielt 2003 den BLUES-LOUIS.
Das Magazin FOLKER bescheinigte dem Festival mehrfach „Weltklasse-Niveau“. Gleichwohl sind die Festivalmacher bis heute schön auf dem beliebt-berüchtigten Lahnsteiner Retro-Teppich geblieben.


BLUES BLEIBT 2020: Tosho, Inga, Giorgina – reif für die Blues-Championsleague. Ebenso das krachende Bläser-Trio von Tommy Schneller, Gary Winters, Dieter Kuhlmann und überhaupt die gesamte Kai Strauss Band mit Nico Dreier, Kevin Duvernay und Alexander Lex. Sie bildet den Kern der Geburtstagskapelle, des zehnköpfigen speziell für Lahnstein konzipierten Projekts Lahnstein Birthday All Stars.

Der „World Crisis Blues“, das jüngste Stück von Kai Strauss, wurde Mitte Mai bei YouTube hochgeladen. Man hört und sieht da einen Sänger, der fabelhaft akustische Gitarre spielt. Auch „unter Strom“ gilt Kai als Hochkaräter in der europäischen Gitarrenwelt. Er wurde mehrfach mit dem deutschen Blues Award ausgezeichnet und gehört zu den wenigen Glücklichen, die auch während des Lockdowns noch Auftrittsmöglichkeiten hatten, z.B. bei Tim Schauen im DLF.
Kai Strauss, Mastermind der Birthday All Stars, lebt in Lengerich. Das ist nicht unwichtig, denn seine Heimatstadt liegt in der Nähe von Osnabrück, bekannt auch als die Blueshauptstadt Deutschlands. Dort weiß man inzwischen, „dass beim Blues Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einander nicht ausschließen und dass Tradition und Moderne, Roots und Rock, Chicago und Soul gemixt werden können“, so Christian Pfarr (SWR 1). Kai Strauss bestätigt genau das mit seiner Musik.


Mit dem BLUES-LOUIS 2020 ausgezeichnet wird Manfred Miller. Der Mainz-Kasteler mit österreichischem Pass, ein Multitalent und multimedialer Schaffer, hat als Radioredakteur, Fernsehjournalist, Moderator und Buchautor (auch Texter, Komponist, Übersetzer, Aufnahmeleiter, Regisseur, Cutter, Produzent, Archivar, Trompeter) schon früh dazu beigetragen, dass man in Deutschland Blues nicht länger nur für einen langsamen Tanz hielt oder für eine ausschließlich traurige Geschichte mit zwölf Takten. Besonders in seiner SWF-Sendung BLUES TIME hat Manfred Miller gezeigt, wie man dem Blues näher kommt - in historisch-gesellschaftlichem Kontext, mit genauer Übertragung der Lyrics ins Deutsche. In seinem jüngsten Buch (Um Blues und Groove - Afroamerikanische Musik im 20. Jahrhundert, 2017) findet man rund 100 deutsche Fassungen bekannter und unbekannter Blues-Stücke.

Als 1981 das SWF-Landesstudio sein 30-jähriges Bestehen beging, wurde zur Feier des Tages auch „etwas für junge Leute“ gesucht. „Machen wir ein Bluesfestival!“, schlug der Mainzer Hörfunk-Redakteur Manfred Miller vor. Gesagt, getan: Manfred Miller, Thomas Dittrich, Detlef Gattner, Tom Schroeder (Laudator 2020) und als Ausputzer Hans Jacobshagen entwickelten ein Konzept unter dem Arbeitsthema „Blues in Deutschland“, verhandelten mit diversen Künstlern und brachten schließlich am Freitag, 16. Oktober 1981, ihr erstes Bluesfestival auf die Bühne, mit freundlicher Unterstützung des Verkehrsamts der Stadt Lahnstein.
„Anfangs war alles sehr familiär“, erinnert sich Manfred Miller, „ohne unsere Frauen und Freundinnen hätten wir es kaum gepackt. Vieles lief in Eigenregie, z.B. die Fahrdienste zum Flughafen, die Blumen, die Schokolade.“ Selbst die Handtücher für die Musiker stammten aus den privaten Kleiderschränken der Veranstalter.


So wurde aus einem bluesigen SWF-Geburtstagsfest, das ursprünglich nur eine einmalige Sache sein sollte, Deutschlands dienstältestes jährlich stattfindendes Bluesfestival.
Für Siegfried Schmidt-Joos, eine Koryphäe des Rock-, Jazz-, Blues- und Musical-Journalismus, war Lahnstein einmal im Jahr sogar „simply the Blues Mecca of the world“. Die bisher rund 40.000 Festival-Besucher bestätigen das gerne.


BLUES BLEIBT, das Lahnsteiner Bluesfestival ist von Anfang an ein Festival mit Medienbeteiligung gewesen. Zeitweise waren bis zu sechs ARD-Anstalten dabei - aber eigentlich waren es nicht die Anstalten, sondern eher ein paar wackere Solisten, verrückte Jazz- oder Folkliebhaber: Jan Reichow etwa und Leo Gehl in Köln, Uli Olshausen, Jörg Eckrich und Werner Reinke in Frankfurt, Volker Steppat aus Bremen und aus Berlin immer wieder Siegfried Schmidt-Joos (BLUES-LOUIS-Preisträger 2008).

Ein besonderer Glücksfall: Rolf Hüffer, ein Bluesbrother vom SWR-Fernsehen. Seit dem Jahr 2000 produziert und moderiert er alljährlich den 90-minütigen TV-Film vom Lahnsteiner Bluesfestival.
Auch das darf gefeiert werden: Die Lahnsteiner Blues-Projektgruppe besteht seit 15 Jahren. Und zum 10. Mal moderiert jetzt Arnim Töpel, er hat übrigens unser Motto erfunden: BLUES BLEIBT.

(Tom Schroeder)


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