verfasst am 30.09.2015

Das war das 35. Lahnsteiner Bluesfestival

Das Lahnsteiner Bluesfestival ist eines der ältesten und renommiertesten Festivals dieser Art in Deutschland. Zu seiner 35. Ausgabe in diesem Jahr präsentierte es mit Jesper Munk einen der jüngsten „Blue Champs“ seiner langen Geschichte an einem Abend, an dem der Bogen vom Blues über den Rhythm & Blues und Rock bis zum klassischen Jazz so weit gespannt war wie selten zuvor. „Blue Champs“, also Champions oder Meister mit dem bekannten und ergreifenden Blues-Feeling, packte die Projektgruppe mit Tom Schröder, Christian Pfarr und Markus Graf in einen Generationen übergreifenden Container, der nahezu sechs Stunden lang das Publikum in der fast ausverkauften Stadthalle zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Schon äußerlich strahlender Star des Abends war die Sängerin China Moses. Faszinierend, wie die Tochter der berühmten Jazzvokalistin Dee Dee Bridgewater eben noch mit der Ballade „What ever“ gefühlvoll und eindringlich mit perfekter Jazz-Phrasierung ganz in der Tradition ihres Vorbildes Dinah Washington aufgeht, um sich in der folgenden Eigenkomposition „Running“ als tanzendes Temperamentbündel dem Rhythm & Blues hinzugeben. Ein treibendes Hammond Solo von Michael Gorman, pulsierende Schlagzeugfolgen von Jose Joyette sowie teils expressive Bebop-Stakkati auf dem Alt- oder weiche und lyrische Linien auf dem Baritonsaxophon von Luigi Grasso unterstrichen die stimmgewaltigen Songs und wirbelnden Tänze der Künstlerin. Grassos Spiel assoziierte hin und wieder den Memphis Soul. „Dinah´s Blues“, der erste Titel ihres Programms, könnte auch „China´s Blues“ heißen.

Mit seiner rauen und reifen Stimme sowie dem musikalisch und technisch perfekten Spiel auf der Gitarre stand ein tiefenentspannter Abi Wallenstein im Zentrum des Konzertes. Die „lebende Blues-Legende“, wie Kritiker den 70-Jährigen gerne nennen, nahm in diesem Jahr den „Blues-Louis“, die höchste Ehrung des Festivals aus der Hand seiner Kollegin Inga Rumpf entgegen. Er sei der Mann, der mit dem Herzen singt, sagte sie sinngemäß, um in der Erinnerung an ihre Begegnungen hinzuzufügen, dass Abi in seiner Musik die innersten Gefühle nach außen kehre. Wallenstein erinnerte sich, wie er 1960 in der Schule ausgerechnet mit Louis Armstrong konfrontiert wurde und dass Inga Rumpf ihn einst ermuntert habe „mach das Ding weiter“. Er fragte eher provokativ, ob der Preis nicht zu früh komme. Schließlich fühle er sich in diesem Moment, als ob er wieder am Anfang stehe. „Ich bin immer noch hungrig, diese Musik zu machen.“

Zu ihm und Inga gesellten sich beim gemeinsamen „Sweet Home Chicago“ und dem „Honky Tonk Woman“ der Gitarrist Toscho Todorovic, der Schlagzeuger Martin Röttger sowie Ludwig Seuss am Piano und mit Akkordeon. Die Abgeklärtheit des Alters nahm in der Tat nichts von der Spannung seiner gleißenden Bottleneck-Glissandi auf der Gitarre. Das Publikum feierte die Musiker stehend mit Ovationen bereits beim „Boogie“ vor der kurzen und dennoch anrührenden Laudatio von Inga Rumpf.

„Diesen Song covered man nicht“, sagte Jesper Munk, als er „Always on my mind“ sang und auf der Gitarre anstimmte. Ob dies als Spitze gegen Elvis Presley oder Willie Nelson gedacht war? Wenn man Jesper Munk einen Vorwurf machen könnte, dann der, dass er seinen Part mit gefühlvollen und fast schnulzigen Songs zu sehr ausdehnte und erst zum Schluss zum treibenden und groovenden Big City Blues wechselte. Ungeachtet dessen bewunderten aufmerksame Zuhörer Munks Umgang mit den Strukturen und Blues-Harmonien, der hinter dem technisch reifen Gitarrenspiel und dem oft brüchig wirkenden Gesang steckte.

Gegen Mitternacht riss die Tommy Schneller Band die Zuhörer von den Stühlen. Der harte und voluminöse Bläsersatz mit Tommys Saxophon, Gary Winters´ Trompete und Dieter Kuhlmanns Posaune sowie die Orgel-Sounds von Axel Steinbiss erinnerten an die mitreißenden Klänge von „Blood, Sweat und Tears“ vor einem halben Jahrhundert. Musikalische wie optische Glanzlichter setzte Gitarrist Jens Filser, der später mit dem Gitarristen und Sänger Carl Carlton bestach. Carlton bleibt eben ein begnadeter Roots-Musikant. Die Band sorgte für den nötigen Druck, und erst als sie praktisch in der Zugabe mit zwei deutschen Songs experimentierte, wanderten die ersten Zuhörer ab.

P.S.: Das Beste vom 35. Lahnsteiner Bluesfestival 2015 überträgt das SWR-Fernsehen am Sonntag, 18.Oktober, 9 Uhr. Moderation: Rolf Hüffer. Der SWR-Hörfunk sendet einen Mitschnitt des Festivals am 1. November 2015 von 20 Uhr bis 24 Uhr. Moderation: Deborah Schamuhn.

Fext und Bild: Klaus Mümpfer für Jazzpages.com


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